Der Ratgeber

In einem Ratgeber möchten wir unseren Lesern auch Praxistipps zur Verfügung stellen. An dieser Stelle werden wir Ihnen die rechtlichen Rahmenbedingungen zu Inbetriebnahme- und wiederkehrenden Prüfungen von Photovoltaik-Anlagen (PV-Anlagen) gemäß der Unfallverhütungsvorschrift „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ DGUV Vorschrift 3 (ehemals BGV A3) erläutern. Lesen Sie hier:

Inbetriebnahme- und wiederkehrende Prüfungen von Photovoltaik-Anlagen – Teil 3

5. WIEDERKEHRENDE PRÜFUNGEN UND ERSTINBETRIEBNAHME NACH DIN VDE 0100-600

DIN VDE 0100-600 enthält Anforderungen an die Erstprüfung und die wiederkehrende Prüfung von elektrischen Anlagen nach DIN VDE 0105-100. Die Prüfung nach DIN VDE 0100-600 besteht aus dem Besichtigen, Erproben und Messen sowie dem Erstellen eines Prüfberichtes.

5.1. BESICHTIGEN

Das Besichtigen der elektrischen Anlage nach DIN VDE 0100-600 muss vor dem Erproben und Messen durchgeführt werden und bevor die Anlage in Betrieb genommen wird und beinhaltet neben Überprüfung der Einhaltung der normativen Anforderungen (Normenreihe DIN VDE 0100) auch die Übereinstimmung mit den Herstellervorgaben bezüglich Auswahl und Errichtung der elektrischen Betriebsmittel. Das Besichtigen muss die in DIN VDE 0100-600 geforderten Überprüfungen umfassen. Diese setzen sich mindestens aus den in Abschnitt 6 1.2.3 geforderten 13 Einzelprüfungen zusammen. Nach DIN VDE 0100-600 muss das Besichtigen weiterhin die besonderen Anforderungen für Anlagen oder Räume besonderer Art umfassen. Photovoltaikanlagen fallen nach DIN VDE 0100-712 in diesen Geltungsbereich. Aufgrund dieser Tatsache ergeben sich weitere Anforderungen denen Genüge getan werden muss.

5.2. ERPROBEN UND MESSEN

Das Erproben und Messen nach DIN VDE 0100-600 muss folgende genannte Prüfungen enthalten und vorzugsweise in der folgenden Reihenfolge erfolgen:
1) Durchgängigkeit der Leiter
2) Isolationswiderstand der elektrischen Anlage
3) Schutz durch automatisches Abschalten der Stromversorgung
4) Zusätzlicher Schutz
5) Spannungspolarität
6) Phasenfolge und Außenleiter
7) Funktions- und Betriebsprüfung
8) Spannungsfall Die Prüferverfahren sind nach DIN VDE 0100-600 anzuwenden.

5.3. ERSTELLEN EINES PRÜFBERICHTES ÜBER DIE ERSTPRÜFUNG NACH DIN VDE 0100-600 UND WIEDERKEHRENDE PRÜFUNG NACH DIN VDE 0105-100

Nach Beendigung der Prüfung muss ein Prüfbericht über die Erstprüfung und wiederkehrende Prüfung erstellt werden. Dieser Prüfbericht muss Details des Anlagenumfangs, der durch den Bericht abgedeckt ist, zusammen mit einer Aufzeichnung über das Besichtigen und die Ergebnisse des Erprobens und Messens umfassen. Alle Fehler oder fehlenden Teile, die während der Prüfung der Anlage erkannt werden, müssen korrigiert werden, bevor der Errichter der Anlage erklärt, dass diese Anlage die Anforderungen der Reihe der DIN VDE 0100 erfüllt. Bei wiederkehrenden Prüfungen sind diese Mängel zu dokumentieren und abzustellen. DIN VDE 0100-600 regelt den Aufbau des Prüfberichtes. Unter anderem muss dieser folgende Angaben enthalten: – Aufzeichnungen über die Besichtigung – Aufzeichnung über die geprüften Stromkreise und die Prüfergebnisse Die Aufzeichnungen über die geprüften Stromkreise und die Prüfergebnisse müssen jeden Stromkreis aufführen, einschließlich der zugehörenden Schutzeinrichtung(en), und die Ergebnisse der geforderten Erprobung und Messung beschreiben. Ebenfalls wird in Abschnitt 6 1.4.4 Folgendes gefordert: Die Personen, die für die Sicherheit, Errichtung und Prüfung der Anlage verantwortlich sind, müssen dem Auftraggeber den Prüfbericht, aus dem die jeweilige Verantwortlichkeit hervorgeht, mit den geforderten Aufzeichnungen übergeben. Auch hier ist, wie in VDE 0126-23 empfohlen, der Zeitraum zwischen der Erstprüfung und der ersten wiederkehrenden Prüfung anzugeben.

6. DOKUMENTATION SCHALTPLÄNE

Die Dokumentation der Wechselspannungsanlage folgt im Wesentlichen aus DIN VDE 0100-510. Darin sind Kennzeichnungen und Schaltpläne für Anlagen gefordert. Diese sind als Schaltpläne, Diagramme oder Tabellen nach DIN EN 61346-1 und der Normenreihe 61082 zu erstellen. Aus diesen Informationen muss insbesondere – Die Art und der Aufbau der Stromkreise – Die Anzahl und Art der angeschlossenen Betriebsmittel – Die Anzahl und Querschnitte der Leiter, Art der Kabel- und Leitungsverlegung – Kennzeichnung für die Identifizierung der Einrichtungen für Schutz-, Trenn- und Schaltfunktionen sowie deren Anordnung hervorgehen. Für jeden Stromkreis sollte angegeben werden: – Typ und Querschnitt von Leitern – Länge der Stromkreise – Art und Typ der Schutzeinrichtung gegen Kurzschluss und Überlast – Art und Typ der Schutzeinrichtung gegen elektrischen Schlag im Fehlerfall – Lage und Typ sowie Bemessungsdifferenzstrom von Fehlerstromschutzeinrichtungen – Bemessungsstrom oder Einstellwert der Schutzeinrichtungen – Zu erwartende Kurzschlussströme und Kurzschluss-Ausschaltvermögen der Schutzeinrichtungen – Querschnitt und Anschlusspunkte aller Funktions-/ Potentialausgleichsleiter; Lage, Länge, und Querschnitt des Potentialausgleichskabel des PV-Generator Gestells, sofern es angeschlossen werden musste oder ist. Im Zusammenhang mit der Blitzschutzanlage und den Maßnahmen zum Überspannungsschutz sind folgende Informationen in die Dokumentation aufzunehmen – Lage und Typ von Überspannungsschutzeinrichtungen auf der Wechselspannungsseite – Lage und Typ von Überspannungsschutzeinrichtungen auf der Gleichstromseite.